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Die Corona-Krise und die Soziologie

The Violence of Neglect

If Foucault thought there was a difference between taking another’s life and letting another die, we see that police violence works in tandem with health systems that let people die. It is systemic racism that links the two forms of power.

Judith Butler (2020)

Bezugnehmend auf vollzogene Lockerungsmaßnahmen während der Pandemie, die vor allem der Wirtschaft zugute kommen, reflektiert Judith Butler in diesem Gespräch mit Amia Srinivasan soziale Ungleichheiten, Nekropolitik sowie das von ihr dargelegte Konzept der (non)violence. Ein weiteres Interview hierzu findet sich in The Nation.

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Allgemein

„The Struggle is Global“

Vergangene Woche veröffentlichte der Verso Book Verlag eine Reihe mit Analysen zu Polizeigewalt in unterschiedlichen nationalen Kontexten in Hinblick auf ihre Verflechtungen mit Kolonialismus, Rassismus, Klasse sowie dem Vollzug strenger Lockdown-Maßnahmen. Außerdem soll in diesem Zusammenhang auch auf ein bedeutend älteres, aber nicht minder interessantes Essay von James Baldwin verwiesen werden: „A Report from Occupied Territory”

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Calls & Konferenzen Die Corona-Krise und die Soziologie

CfP: European Societies in the Time of the Corona Crisis

European Societies, as the flagship journal of the European Sociological Association (ESA), wishes to promote sociological debate and contribute insights on the current crisis by providing a fast-track review and online publication platform for short early research papers. “Early research” means that we are looking for papers with promising empirical research findings as well as theoretical discussions that help to understand the (potential) consequences of the current Corona crisis for European societies.

Beiträge können noch bis zum 31.7.2020 eingereicht werden, nähere Informationen finden Sie hier.

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Die Corona-Krise und die Soziologie

„reality checks“ und Politik post-Covid 19

Denn die neue Normalität gab es schon vorher, aber wir erkennen sie erst jetzt.

Ivan Krastev (2020)

Carolin Amlinger sowie Nicola Gess schreiben zur Corona-Krise zwischen „reality check“ und „reality negation“, dem damit verbundenen Erstarken von verschwörungstheoretischen Erklärungsmustern sowie den Herausforderungen von kritischen Theorien – und nehmen dabei teilweise auch Bezug auf Agambens kontrovers diskutierten Text „The state of exception provoked by an unmotivated emergency“.

Die Politikwissenschaftler Mark Leonard sowie Ivan Krastev hingegen befassen sich empirisch mit der Frage, wie sich die Epidemie tatsächlich auf Nationalismus, Euroskeptizismus sowie dem Vertrauen gegenüber dem Staat sowie Expert*innenwissen ausgewirkt hat, darüber hinaus spricht Krastev in der Wiener Zeitung ausführlich zu jenen politischen Konsequenzen der Krise und der „neuen Normalität“. In der NZZ, diesmal aus philosophischer Perspektive, diskutiert Thomas Sören Hoffmann die Krise der Staatlichkeit mit Rekurs auf Hegel.

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Die Corona-Krise und die Soziologie

(Not) in the closet, Illness and/as Metaphor & Social Justice

Die Zeitschrift feminist review veröffentlichte in den letzten Wochen eine Reihe interessanter Artikel zu Covid in ihrem Blog, darunter auch Clare Hummings Revisiting Virality (After Eve Sedgwick):

The fact that racial minorities are so many times more likely to die from Covid-19 than their white counterparts in the UK and the US is also no surprise—the racism of income and health disparities are well known—and yet that injustice can still be experienced (by white people) as new. And further, those of us who are the universalised, privileged minority able to ‘shelter-at-home’ are encouraged in our paranoid vigilance in respect of those who have no choice but to take up public space in our stead.

In seinem Artikel With Apologies to Susan Sontag, We’re Going to Need Metaphor to Get Through This Global Illness diskutiert David Farrier die Gefahren und die Notwendigkeit von Methaphern im Umgang mit Krankheit – mit Susan Sontag und Virginia Woolfe:

Sontag wrote that “everyone who is born holds dual citizenship, in the kingdom of the well and the kingdom of the sick.” […] The terms of our dual citizenship mean that, to be a good citizen of both, we must imagine ourselves already ill. […] We cannot afford to read ourselves literally, when every touch of hand to face feels loaded with potential consequences. A kind of metaphorical being takes over instead: we must continue to act as if we have the virus, regardless of how we feel. […] Understanding ourselves as possibly ill—carried between the kingdoms of the sick and well—allows us to go beyond what we know and enter the experiences of others.

Und: Die University of Chicago Press stellt viele Artikel zu social justice policing, the courts, civil rights, racial justice history, racial health inequities, und activism zum freien Download zur Verfügung.

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Die Corona-Krise und die Soziologie

Zur Freiheit inmitten der Beschränkungen

Oskar Negt äußert sich im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau zu einem „leise[n], vielleicht auch fragile[n] Bewusstseinswandel, der sich gerade in der breiten Gesellschaft vollzieht“ und inwiefern dieser dazu dienlich sein könnte, „demokratische Antikörper“ gegen „antidemokratische Tendenzen und Denkweisen“ zu entwickeln.

Außerdem noch ein Verweis zu zwei aktuellen Forschungsberichten: „Supporting livelihoods during the COVID-19 crisis: closing the gaps in safety nets“ der OECD sowie die ersten Ergebnisse der Eurofound-Studie „Living, working and COVID-19“.

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Die Corona-Krise und die Soziologie

„What comes next?“

In der NZZ schreiben Jutta Allmendinger und Jan Wetzel über Fragen des Zusammenhalts und des Vertrauens in der Krise, außerdem findet sich im Correspondent ein Beitrag von Rutger Bergman zum Ende der neoliberalen Ära.

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Die Corona-Krise und die Soziologie

The architechture of density

Ausgehend davon, dass bestimmte Kontrollmaßnahmen den Ausnahmezustand überdauern werden, stellt sich Richard Sennett die Frage, wie das Leben in post-pandemischen Städten aussehen möge – vor allem in Hinblick auf urbane Dichte und Konzentration.

Numbering the Dead

Shannon Pufahl hingegen diskutiert in der New Year Review of Books die Bedeutung, Entwicklung und Implikationen von (Todesfall)Statistiken.

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Die Corona-Krise und die Soziologie

„Revealing the cracks in our care networks“

“The COVID-19 pandemic has ripped back the curtain that covers the true engine of the global economy: the undervalued, feminized care labour that keeps society functioning through its often invisible and almost always underpaid exertions.”

Leslie Kern (2020)

Über unsichtbare weibliche Reproduktionsarbeit im urbanen Raum schreibt Leslie Kern im Blog des Verso Verlags. Auch die Philosophin Cynthia Fleury spricht in einem Interview mit der NZZ von der Tendenz, Verletzlichkeit in der Gesellschaft zu verleugnen sowie der Erkenntnis der sozialen Nützlichkeit von Pflege in weiterem Sinne. Schließlich finden sich im Blog des transcript Verlags Beiträge von Gabriele Winkler zu Care-Ökonomien sowie von Stephan Lessenich zur „neosozialen“ Verflechtung von Eigenverantwortung in Sozialverantwortung, die sich in voller Länge in einer neuen Publikation lesen lassen. Einen Sammelband mit Essays zur Krise hat auch der Literaturverlag n+1 herausgegebenen.

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Calls & Konferenzen Die Corona-Krise und die Soziologie

Global sociology and the coronavirus

„Since the beginning of the pandemic, we have indeed witnessed a strong comeback of the nation-state in all realms. States have closed their borders, and citizens turn to their national government for protection, care and guidelines. International institutions have vanished in the global crisis, including the UN and the European Union, and international solidarity has suffered one of its strongest declines in recent history. Social sciences are no exception in this matter. Methodological nationalism has surged. Most contributions have built on national data and focus on public debates at the national scale.“

Die International Sociological Association sammelt Webinare, Publikationen und Call for Papers, die bewusst eine globale Perspektive einnehmen. Darunter findet sich auch die Plattform openMovements mit internationalen Beiträgen zu Solidarität und sozialen Bewegungen.