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Calls & Konferenzen Die Corona-Krise und die Soziologie

„Gesellschaft unter Spannung“, Freiheit, Solidarität

Angesichts des Umgangs mit den Geflüchteten des abgebrannten Lagers in Moria reflektiert Rahel Jaeggi in der ZEIT (u.a.) den Begriff der Solidarität, genauso wie das „beschränkte und falsche Verständnis“ von Freiheit im Kontext der Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen, Isolde Charim sieht darin die „Rückkehr der neoliberalen Botschaft in verkehrter Form“. Oliver Nachtwey hingegen diskutiert in einem ausführlichen Gespräch mit dem Jacobin, theoretisch eingebettet in Foucault, Boltanski und Beck, die Entstehung und Attraktivität von Verschwörungstheorien. Schließlich noch ein Beitrag des Deutschlandfunks mit einigen soziologischen Stimmen zur Deutungskämpfen und Zukunftsvorstellungen in und vor allem nach der Krise.

Außerdem: Aufzeichnungen einiger Sessions der DGS-Konferenz finden sich online auf Socio-Hub, daneben auch jene einer Sonderveranstaltung, die sich Analysen der Corona-Krise aus gesellschaftsdiagnostischer Perspektive gewidmet hat: mit Implusvorträgen sowie Diskussion von und mit Martina Löw, Andreas Reckwitz und Hartmut Rosa.

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Die Corona-Krise und die Soziologie

David Graeber: Bullshit Jobs & „die Wirtschaft“

Let’s perform a thought experiment. What if we conceived “the economy” not as a market but as the way we human beings take care of one another, by providing each other with material needs and the basis for satisfying, meaningful lives.

David Graeber (2020)

Am 2. September verstarb der Anthropologe und Aktivist David Graeber, Autor von Debt, Direct Action sowie Bullshit Jobs. Insbesondere der Lockdown und die daraus resultierende Debatte um die Anerkennung systemrelevanter Berufe verdeutlichte die Bedeutsamkeit seiner Theorien und Konzepte – so sprach er im Bayrischen Rundfunk Anfang April unter anderem über „Bullshit Jobs“ und Corona als System Changer; eine weitere Analyse des derzeitigen Kapitalismus im Kontext der Krise findet sich in Politico. Darüber hinaus hat auch die New York Review of Books einen seiner zuletzt publizierten Essays frei zugänglich gemacht: Against Economics.

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„Witness and Respair“

Die Schriftstellerin Jesmyn Ward schreibt in einem sehr persönlichen Essay über individuelle wie kollektive Trauer im Kontext von Covid-19 sowie Black Lives Matter, Angela McRobbie diskutiert hingegen aktuelle Umgänge mit der Pandemie in Großbritannien sowie über die Grenzen hinaus:

In the last few weeks, nearly five months after my own experience of covid-19 pneumonia and subsequent hospitalisation, I have been asking friends and colleagues if they can explain why the news media, regardless of political persuasion, across newspapers and TV and indeed social media, is no longer paying attention to who is dying.

Angela McRobbie (2020)
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#stayathome

Eva Illouz diskutiert das Konzept des zu Hauses in seiner historischen Entwicklung, seinem Verhältnis zur öffentlichen Sphäre sowie in seiner Bedeutung und Rolle im Zuge des Lockdowns; Stephan Lessenich hingegen reflektiert in diesem Radiobeitrag die Konjunktur, die der Begriff der Solidarität zu Beginn der Krise erfahren hat.

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The Violence of Neglect

If Foucault thought there was a difference between taking another’s life and letting another die, we see that police violence works in tandem with health systems that let people die. It is systemic racism that links the two forms of power.

Judith Butler (2020)

Bezugnehmend auf vollzogene Lockerungsmaßnahmen während der Pandemie, die vor allem der Wirtschaft zugute kommen, reflektiert Judith Butler in diesem Gespräch mit Amia Srinivasan soziale Ungleichheiten, Nekropolitik sowie das von ihr dargelegte Konzept der (non)violence. Ein weiteres Interview hierzu findet sich in The Nation.

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Allgemein

„The Struggle is Global“

Vergangene Woche veröffentlichte der Verso Book Verlag eine Reihe mit Analysen zu Polizeigewalt in unterschiedlichen nationalen Kontexten in Hinblick auf ihre Verflechtungen mit Kolonialismus, Rassismus, Klasse sowie dem Vollzug strenger Lockdown-Maßnahmen. Außerdem soll in diesem Zusammenhang auch auf ein bedeutend älteres, aber nicht minder interessantes Essay von James Baldwin verwiesen werden: „A Report from Occupied Territory”

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Calls & Konferenzen Die Corona-Krise und die Soziologie

CfP: European Societies in the Time of the Corona Crisis

European Societies, as the flagship journal of the European Sociological Association (ESA), wishes to promote sociological debate and contribute insights on the current crisis by providing a fast-track review and online publication platform for short early research papers. “Early research” means that we are looking for papers with promising empirical research findings as well as theoretical discussions that help to understand the (potential) consequences of the current Corona crisis for European societies.

Beiträge können noch bis zum 31.7.2020 eingereicht werden, nähere Informationen finden Sie hier.

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„reality checks“ und Politik post-Covid 19

Denn die neue Normalität gab es schon vorher, aber wir erkennen sie erst jetzt.

Ivan Krastev (2020)

Carolin Amlinger sowie Nicola Gess schreiben zur Corona-Krise zwischen „reality check“ und „reality negation“, dem damit verbundenen Erstarken von verschwörungstheoretischen Erklärungsmustern sowie den Herausforderungen von kritischen Theorien – und nehmen dabei teilweise auch Bezug auf Agambens kontrovers diskutierten Text „The state of exception provoked by an unmotivated emergency“.

Die Politikwissenschaftler Mark Leonard sowie Ivan Krastev hingegen befassen sich empirisch mit der Frage, wie sich die Epidemie tatsächlich auf Nationalismus, Euroskeptizismus sowie dem Vertrauen gegenüber dem Staat sowie Expert*innenwissen ausgewirkt hat, darüber hinaus spricht Krastev in der Wiener Zeitung ausführlich zu jenen politischen Konsequenzen der Krise und der „neuen Normalität“. In der NZZ, diesmal aus philosophischer Perspektive, diskutiert Thomas Sören Hoffmann die Krise der Staatlichkeit mit Rekurs auf Hegel.

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(Not) in the closet, Illness and/as Metaphor & Social Justice

Die Zeitschrift feminist review veröffentlichte in den letzten Wochen eine Reihe interessanter Artikel zu Covid in ihrem Blog, darunter auch Clare Hummings Revisiting Virality (After Eve Sedgwick):

The fact that racial minorities are so many times more likely to die from Covid-19 than their white counterparts in the UK and the US is also no surprise—the racism of income and health disparities are well known—and yet that injustice can still be experienced (by white people) as new. And further, those of us who are the universalised, privileged minority able to ‘shelter-at-home’ are encouraged in our paranoid vigilance in respect of those who have no choice but to take up public space in our stead.

In seinem Artikel With Apologies to Susan Sontag, We’re Going to Need Metaphor to Get Through This Global Illness diskutiert David Farrier die Gefahren und die Notwendigkeit von Methaphern im Umgang mit Krankheit – mit Susan Sontag und Virginia Woolfe:

Sontag wrote that “everyone who is born holds dual citizenship, in the kingdom of the well and the kingdom of the sick.” […] The terms of our dual citizenship mean that, to be a good citizen of both, we must imagine ourselves already ill. […] We cannot afford to read ourselves literally, when every touch of hand to face feels loaded with potential consequences. A kind of metaphorical being takes over instead: we must continue to act as if we have the virus, regardless of how we feel. […] Understanding ourselves as possibly ill—carried between the kingdoms of the sick and well—allows us to go beyond what we know and enter the experiences of others.

Und: Die University of Chicago Press stellt viele Artikel zu social justice policing, the courts, civil rights, racial justice history, racial health inequities, und activism zum freien Download zur Verfügung.

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Zur Freiheit inmitten der Beschränkungen

Oskar Negt äußert sich im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau zu einem „leise[n], vielleicht auch fragile[n] Bewusstseinswandel, der sich gerade in der breiten Gesellschaft vollzieht“ und inwiefern dieser dazu dienlich sein könnte, „demokratische Antikörper“ gegen „antidemokratische Tendenzen und Denkweisen“ zu entwickeln.

Außerdem noch ein Verweis zu zwei aktuellen Forschungsberichten: „Supporting livelihoods during the COVID-19 crisis: closing the gaps in safety nets“ der OECD sowie die ersten Ergebnisse der Eurofound-Studie „Living, working and COVID-19“.