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Soziologisches Journal

Denken in Zeiten der Krise

Der Weg vom Wissen über das Planen
zum Tun ist intergalaktisch weit

1. Von den Mängeln des Wissens

Niemand, der sich um redliches Nachdenken bemüht, wird gegenwärtig eine Voraussage darüber treffen, wie die Zukunft der Weltwirtschaft, der Beziehungen zwischen den Staaten, der Lebensbedingungen der breiten Massen beschaffen sein werden. Das hängt nicht ursächlich mit der inzwischen so genannten Corona-Krise zusammen, sondern damit, dass unser Wissen über die Welt und über uns selbst prinzipiell und immer irrtumsanfällig ist und sein wird. Die Krise macht uns diese Schwäche nur deutlich und schmerzhaft bewusst. Sie macht aber auch andere Facetten gesellschaftlichen Lebens nachdrücklich sichtbar, über die unsere Wahrnehmung und unser Bewusstsein sich unter „normalen“ Verhältnissen gerne hinwegschwindeln. Zu ihnen zählen so wesentliche Tatsachen wie: Sozial und ökonomisch Benachteiligte (in Österreich viele Ältere, Alleinerziehende, Kinder in Armut, AsylantInnen etc.) sind in Krisenlagen besonders gefährdet, in allen Beziehungen zwischen Menschen, selbst in jenen zwischen ExpertInnen der Virenforschung, geht es um Macht und Machtkämpfe, die Prinzipien des Systems, das wir das demokratische nennen, stehen immer auf dem Spiel. Deshalb ist es gut, dass gegenwärtig viele aus ihrem Dämmer aufgerüttelt werden, das ihnen Demokratie als etwas Selbstverständliches vorgegaukelt hat, in das keine Anstrengung investiert werden muss. Ein Essay von Anton Amann.