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Soziologisches Journal

Vergessen – Zu einem zentralen Topos sozialer Bewegungen in der Corona-Krise

Die Isolationsstrategie, mit welcher die allermeisten europäischen Gesellschaften dem Corona-Virus begegnen, hat nicht nur unsere privaten Verrichtungen von der Arbeit bis zur Haushaltsführung sowie auf höherer Stufenleiter die Volkswirtschaften, sondern auch das öffentliche Leben für eine gewisse Zeit zum Erliegen gebracht. Damit verschwinden aber nicht nur die Menschen von den Straßen, sondern auch ihre politischen Handlungen, die Öffentlichkeit überhaupt erst konstituieren. Von den Straßen und Plätzen der Protesthauptstadt Wien sind die Versammlungen und Demonstrationen verschwunden, die uns mit verlässlicher Regelmäßigkeit daran erinnerten, dass Ringstraße und Innenstadt nicht lediglich für den Verkehr bestimmt sind. Verschwunden sind für eine gewisse Zeit auch die Zeitungsverkäufer*innen in den Fußgänger*innenpassagen, die uns tagtäglich an die Ungleichheiten und Paradoxien der reichen westlichen Industrieländer erinnerten und nicht zuletzt verschwanden aus den Straßen auch diejenigen, die uns mit ihren Protesten an die Folgen der westlich dominierten Globalisierung  und dem damit einhergehenden Migrationsdruck erinnerten. Ein Kommentar von Philipp Knopp.